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STADTPORTRÄT » KRAKAUER LEXIKONHejnal, Lajkonik, Schopki, Wianki, Juwenalia, Arrasy wawelskie, Kopiec, Bajgle, Smok Wawelski, Maszkarony, Czakram "Hejnał" Vom höheren der beiden Türme der Marienkirche erklingt eine auf der Trompete gespielte Melodie, die nach einigen Takten plötzlich abbricht. Die "Hejnal"-Melodie wird Tag und Nacht stündlich von Krakauer Feuerwehrmännern gespielt und ist zugleich ein Symbol der polnischen Tradition. Gemäß der Legende geht die Melodie auf einen Krakau heimsuchenden Tatareneinfall in der ersten Hälfte des 13. Jh. zurück. Damals beobachtete ein Stadtwächter die herannahenden Tatarenhorden und blies zum Alarm das "Hejnal"- Lied. Bevor er das Lied beendet hatte, wurde er von einem Tatarenpfeil getötet, doch hatte er, wie die Legende zu berichten weiß, damit die Stadt vor der Vernichtung gerettet. Die "Hejnal"- Melodie überdauerte somit als traditionelles Symbol bis heute. "Lajkonik" Alljährlich, am achten Tag nach Fronleichnam, zieht ein farbenprächtiger Umzug durch die Staßen der Krakauer Altstadt; dem Umzug voran schreitet der "Lajkonik": Ein traditionell auf Tatarenart gekleideter Krakauer Maurer, der orientalische Gewänder sowie einen typischen Tatarenspitzhut trägt, und der auf einem wunderbar gearbeiteten Holzpferd "reitet". Der Umzug steht in Verbindung mit den Tatareneinfällen am Anfang des 13. Jh.; der Legende nach soll ein Krakauer Floßfahrer den Führer der Tataren im Kampf überwältigt haben und anschließend triumphierend in die Stadt geritten sein, wo in diesen Momenten die Fronleichnamsprozession stattgefunden haben soll. "Miniatur-Lajkoniki" kann man täglich in den Souvenirläden oder in den Tuchhallen der Stadt auf dem Hauptmarkt kaufen. "Schopki" (Krakauer Weihnachtskrippen) In Krakau findet alljährlich ein Wettbewerb um die schönsten Weihnachtskrippen statt. Die Palette der Teilnehmer ist groß und umfaßt Grundschüler ebenso wie professionelle Krippenhandwerker. Die Krakauer "Schopki" erreichen z.T. eine Höhe von bis zu zwei Metern, sollten bunt gestaltet sein, jedoch mit möglichst wenigen darstellenden Elementen auskommen und an der Krakauer Architektur anknüpfen. Die Krippenbauer zeigen sich bei ihrer Arbeit zumeist von der Frontfassade der Marienkirche, dem Florianska-Tor, dem Barbakan und dem Wawel inspiriert. Als Krippenfiguren treten in der Regel herausragende Persönlichkeiten der polnischen Geschichte in Erscheinung; die am häufigsten dargestellte Krippenfigur ist derzeit Johannes Paul II. Die Krakauer "Schopki" können stets am ersten Sonntag im Dezember auf dem Hauptmarkt begutachtet werden. Außerdem befinden sich die Weihnachtskrippen zur Dauerausstellung im "Historischen Museum der Stadt Krakau", am "Rynek Główny", 35. "Wianki" (Fest der Kränze) Während der kürzesten Nacht des Jahres (23./24. Juni) flechten junge Mädchen in Krakau einen Blumenkranz, den sie sodann, mit einer lodernden Kerze in der Mitte verziert, dem Lauf der Weichsel anvertrauen...-. Aus dem Verhalten, d.h. der Art und Weise wie die Kränze sich auf dem Fluß bewegen, wird die Zukunft des Mädchens gelesen. Der "Wianki" - Brauch geht auf heidnische Zeiten zurück und wird heutzutage zum Anlaß genommen, ein Volksfest mit Musik, Konzerten und Feuerwerken auszurichten. "Juwenalia" (Studententage) Anfang August finden alljährlich die höchsten Studenten-Feiertage statt. Der Bürgermeister überträgt hierbei symbolisch die Amtsgewalt über die Stadt an die Krakauer Studentenschaft - alles scheint in diesen Tagen möglich! Drei Tage lang beherrschen anarchische Zustände die Stadt. In den Straßen finden sich wundersame Künstler und ausgelassene Jugendliche, die in bewegten Szenen Theaterstücke impovisieren. Auch finden Konzerte und Volksfeste statt. Während der "Juwenalia" profitieren vor allem die Brauereien und die Schnapsbrennereien mit überdurchschnittlichen Einnahmen. Die Stadtverwaltung und die Geldbörsen der Studenten hingegen haben das Nachsehen, und insbesondere die Stadt bemüht sich darum, die bei den zahllosen Exzessen entstandenen Schäden zu vertuschen. "Arrasy wawelskie" (Wawel-Wandteppichsammlung) "Arrasy wawelskie" - so nennt man die Sammlung von 143 Wandteppichen, die König Sigismund August im 16. Jh. in Flandern bestellte. Die Wandteppiche wurden von außergewöhnlich begabten Meistern ihres Faches gefertigt und stellen zweifellos den schönsten Schatz der königlichen Gemächer dar. Die Sammlung setzt sich aus drei Serien figürlicher Darstellungen zusammen; die erste umfaßt biblische Motive (Paradiesgeschichte, Noach-Geschichte, Turmbau zu Babel), die zweite Serie beschäftigt sich mit Landschaftsdarstellungen und die dritte Gruppe konzentriert sich auf groteske Darstellungen. Einige der Wandteppiche bringen es immerhin auf das beachtliche Maß von 45 m2. Die Sammlung stellt die drittgrößte dieser Art in Europa dar; wem die Besichtigung des Wawel-Schlosses, das im Laufe seiner Geschichte mehrfach geplündert und ausgeraubt wurde, wert scheint, sollte sich diese einmalige Sammlung keinesfalls entgehen lassen. "Kopce" (künstliche Hügeldenkmäler) Das Panorama Krakaus wird anhand einiger hoch über die Stadt hinausragender Hügel, von denen der älteste bereits 6 Jahrhunderte alt ist, und ursprünglich ein heidnischer Kultort war, umschrieben; der jüngste dieser künstlich aufgeschütteten Hügel befindet sich noch im Bau und soll dem amtierenden Papst geweiht werden. Der bekannteste Krakauer "Kopiec" ist der Kosciuszki-Hügel, den man vom Wawel aus über die Weichsel hinweg in Richtung Westen blickend in voller Gestalt erkennen kann. Diese Art der Denkmalgestaltung ist dem heidnischen Kulthügel nachempfunden. Die Errichtung des Kosciuszki-"Kopiec" wurde 1820 vom Stadtrat bewilligt; dieser dient der Erinnerung an den ersten polnischen Volksaufstand unter Führung von Tadeusz Kosciuszko. Auf einer Anhöhe gelegen stellt der 34 Meter hohe "Kopiec" ein beliebtes sonntägliches Ausflugsziel der Krakauer Spaziergänger dar. Von der Spitze dieses Denkmals aus, das man bequem begehen kann, hat man einen wunderbaren Panoramablick auf die Stadt Krakau sowie ihre Umgebung. Ein weiterer "Kopiec" wurde z.B. im Gedenken an den polnischen Volkshelden Józef Piłsudski errichtet. "Bajgle" (Krakauer Brezeln) Hierbei handelt es sich um ein Sauerteig-Gebäck im Repertoire der Krakauer Bäckerszunft, das auf die jüdische Küche zurückgeht. "Bajgle" werden zu einem Ring geformt, mit Mehl, Salz, Sesam oder Mohn bestreut und sodann gebacken. Sie sind an nahezu jeder Straßenecke zum aktuellen Preis von 1 Zloty (ca. 25 Cent) erhältlich. Studenten, denen es für gewöhnlich an Geld mangelt, nutzen diese wohlschmeckende Zwischenmahlzeit wahlweise dazu, ein ausgefallenes Frühstück, Mittagessen oder Abendessen zu ersetzen. "Smok" (Drache) In der Grotte am Fuße des Wawel-Berges wohnte einst ein Drache, der die unangenehme Angewohnheit hatte, regelmäßig einige Krakauer Mädchen verspeisen zu müssen. Endlich gelang es dem legendären Gründer der Stadt, Krak, den Drachen mit einer List zu töten. Krak schob dem Ungeheuer ein mit Schwefel ausgestopftes Schaf zum Verzehr in den Rachen. Als dieser sodann mit dem Wasser der Weichsel seinen Durst löschen wollte, näherte er sich zur Freude der Bewohner Feuer spuckend seinem Ende. Die Wohnstätte des Drachen, jene Kalkgrotte am Weichselufer diente später als Schenke und öffentlicher Treffpunkt. Heutzutage kann jeder Tourist die Kalkgrotte gefahrlos besichtigen; neben der Grotte erinnert eine große Skulptur an den Drachen, der während den wärmeren Jahreszeiten symbolisch noch immer Feuer spuckt und daher in dem Ruf steht, das größte Feuerzeug Polens zu sein. "Maszkarony" (Monstermotive) Dabei handelt es sich um stilisierte Formen menschlicher oder tierähnlicher Köpfe, die seit der Renaissance die Giebelspitzen der Krakauer Häuser zieren. Die berühmtesten "Maszkarony" sind sicherlich diejenigen, welche die Dachkonstruktion der Tuchhallen schmücken. Das Motiv findet sich jedoch auch an sämtlichen anderen und sogar an neuen Häusern. Auch wurde dieses architektonische Symbol dazu bestimmt, Krakau als europäische Kulturhauptstadt 2000 öffentlich zu repräsentieren, was den Krakauern wiederum nicht gerade zur Freude gereichte; hat doch das ausgewählte Motivgesicht sehr weiche Gesichtszüge und zudem ein etwas unbeholfenes Lachen. Krakauer "Czakram" (Magischer Stein) Besucher und Besucherinnen des königlichen Schloßhofes zu Krakau wundern sich gelegentlich, daß in dessen nordöstlicher Ecke kleine Gruppen von Menschen an die Wand gelehnt steht, ohne dort etwas bestimmtes zu tun. Sie bewegen sich kaum, warten auch auf niemanden, was auf dem Wawel zweifellos eine Besonderheit darstellt, auch sind sie offenbar keine Touristen. Diese auf den ersten Blick etwas seltsam anmutenden Zeitgenossen sind in der Regel Menschen, die längere Zeit krank waren und sich nun auf dem Weg der Besserung befinden. Der Ort, an dem sie stehen, strahlt nach Meinung der Krakauer eine besonders intensive positive Energie aus, der man Heileigenschaften zuschreibt. Selbst Wissenschaftler meinen an diesem Ort ein besonderes magnetisches Feld ausgemacht zu haben; alles weitere ist Glaubenssache, und daran fehlt es den Krakauern bekanntlich nicht. « Zurück |
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